Früher stand ich rein instrumentaler Gitarrenmusik skeptisch gegenüber und hätte sie irgendwo zwischen klassisch und sakral verortet. Subjekt suspekt. Doch im Laufe der Jahre erkennt man die Unsinnigkeit der Festlegungen auf Schwarz oder Weiß und ist dann irgendwann in der Lage, die vielen dazwischen existierenden, aber schwer zu unterscheidenden Schattierungen des Grau zu erkennen. Erst dann kann man auch alle anderen Farben besser wahrnehmen.

Wer das künstlerische Oeuvre von T. G. und ihn selbst kennt, der ist mit den ihm eigenen Tönungen vertraut und weiß von seinen vielfältigen Seiten, die er zu vereinen sucht: Unter anderem die vegetarisch-visionäre mit der genußsüchtig-erdigen und diese mit der illusorisch-geistigen. Das gelingt ihm immer wieder, wenn er aus fragil-akustischen Entwürfen kraftvolle, lebendige Songs ausformuliert. Geboren aus Visionen.

Hier ist nun aber eine Melodie-Kollektion, die keine Worte braucht.
Erstmalig sind die behutsamen Phantasien von T. G. vereint, die für jeden andere Bilder in sich tragen: Hastige Spaziergänge an der Binnenalster; das Überqueren der Rheinbrücken in der Nacht und Erinnerungen an U-Bahn-Fahrten; die Aussicht von Schilksee auf das Meer; Sonnenuntergang auf einem Balkon in Steglitz; weiße Wolken über der Moschee und die Andacht in der Kathedrale oder Chillout-Morgende und abendliche Willkommensentrées usw., usw..

All das bringt uns T.G. jetzt in vorliegender Ohne-Worte-CD mit dem Titel „Auszeit“. Klang-mit-Bildern-Musik ohne Gesang, denn es ist kein Pop. Ohne Schlagzeug, denn es ist kein Rock. Ohne Gefrickel, denn es ist kein Prog. Im wesentlichen getragen von mäandernden Gitarrenflüssen, manchmal mit schwebenden Keyboardflächen verwoben. Vergleichbar mit Michael Brooks songorientierten Alben.
Es ist gute Musik, die auf auserkorenen Illusionen gleitet.
Eine Auszeit für das Gemüt. Darin tauche ich ein.

Robbe Desch

zurück ...  


 
weltenblau.de - Die Kunst von Thomas Glönkler
Impressum